Die Loge
hinter der Demutstür
Von Stephanie
Peine,
24.10.11, 18:05h, aktualisiert 25.10.11, 15:06h
Das "Neue
Herwegshaus" macht den Auftakt zu unserer neuen Serie "Zeitzeugen aus
Stein". Der Keller des Hauses am Burggraben 1 in Bensberg ist heute
Heimat der Freimaurer.
Das "Neue
Herwegshaus" ist das erste Denkmal in unserer Serie "Zeitzeugen aus
Stein". (Bild: CA)
Bergisch
Gladbach -
Der Weg in den Gewölbekeller führt durch die so
genannte Demutstür: Mit einer Höhe von nicht einmal
1,60 Meter lässt der niedrige Türsturz keinen
Eintritt erhobenen Hauptes zu. Nach den Mühen des Abstiegs in
den „Bensberger Untergrund“ überrascht das
geräumige Kellergeschoss im denkmalgeschützten Haus
Burggraben 1, das heute von der Freimaurerloge
Matteo Alberti für Versammlungen genutzt wird.
Hier, im Tempel der Loge, findet sich auch der Brunnen des Hauses, eine
in Metall gefasste und verglaste Wasserstelle, mit der die Bewohner in
früheren Zeiten unabhängig waren von den
öffentlichen Brunnen. Das Haus wurde jetzt vom Rheinischen
Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz zum Denkmal des
Monats gekürt.
1767
ließ der Kölnische Bürgermeister Eberhard
Joseph Melchior von Herwegh das repräsentative Wohnhaus am
heutigen Markt erbauen. Nach ihm wird das Gebäude auch heute
noch „Neues Herwegshaus“ genannt – das
alte Herwegshaus steht schräg gegenüber, besser
bekannt unter der Bezeichnung „Goethehaus“. Zur
Zeit der Errichtung hatte Bensberg den rechtlichen Status einer
Freiheit, damit verbunden war die Befreiung von der Steuerlast, der Ort
verfügte aber weder über eine Stadtmauer noch
über Zünfte oder einen Markt, wie Max Morsches
erläutert, Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins
Rhein-Berg. Der wohlhabende Bauherr Herwegh wollte sein Haus nicht im
damals üblichen Fachwerkstil errichten, sondern ließ
extra teure Grauwacke aus den Steinbrüchen in Lindlar
mühsam mit Pferd und Wagen nach Bensberg transportieren.
„Am Stein ist der Status des Bauherrn abzulesen“,
erklärte Stephan von Wahl, Leiter des Arbeitskreises
„Denkmal des Monats“.
In
späteren Jahren diente das Gebäude jedoch nicht nur
als Wohnhaus. Während der Koalitionskriege von 1792 bis 1815
unterhielten Österreicher und später Franzosen ein
Lazarett im Neuen Schloss. „Durch die unhygienischen
Zustände brachen bald Seuchen aus, die auch auf die
örtliche Bevölkerung übergriffen“,
berichtet Morsches. Erkrankte wurden wohl auch im Neuen Herwegshaus
gepflegt, wurde es doch 1808 als „unbewohnbares
Krankenhaus“ in der Häuserliste aufgeführt.
Um 1900
befand sich an dieser Stelle ein Kolonialwarengeschäft,
später hatte der Paritätische Wohlfahrtsverband dort
seine Geschäftsstelle. Im Jahr 1980 erwarb der Architekt Bernd
Rotterdam das Haus und ließ es nach denkmalpflegerischen
Gesichtspunkten „vorbildlich“ sanieren, lobte der
Rheinische Verein für Denkmalpflege. Der heutige
Eigentümer hat die oberen Etagen als Wohnungen vermietet, im
Keller befinden sich die Versammlungsräume der Freimaurer.
„Heute
hat das Haus wieder bauliche Schwachstellen“, sagte von Wahl.
Offene Fugen im Mauerwerk müssten dringend geschlossen werden,
um die Substanz nicht zu gefährden. Und viele Bensberger
sorgen sich um das Umfeld des Hauses. Weil eine städtische
Rahmenplanung für das Areal am Marktplatz bisher fehle,
könnten Investoren mit neuen Bauvorhaben das Gesamtbild des
Platzes mit seinen denkmalgeschützten Häusern
verschandeln. Abschreckende Beispiele gebe es schließlich
genug.
Ende
des Artikels aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 25.10.2011
Wir bedanken uns bei Frau Stephanie Peine, ihrem Fotografen und dem Kölner
Stadtanzeiger.
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Im Geiste der Steinmetze
Von Michaela Paus, 15.04.09, 15:08h
Die Bensberger Freimaurerloge Matteo Alberti
besteht seit zehn Jahren. Erstmals öffnete die Loge ihre Tore zum
Gewölbekeller. Was bei den Treffen genau geschieht, bleibt nach
jahrhundertealter Tradition geheim.
Der Gewölbekeller: Dort finden die Treffen der Freimaurerloge Matteo Alberti statt. (Bild: CA)

Einige der Logenbrüder
An der
Stirnwand des Gewölbekellers steht der Holzthron, der Platz
für den Vorsitzenden der Freimaurerloge Matteo Alberti. (Bild:
CA)
Bergisch Gladbach -
Das Betreten des Bauhüttenraums ist eigentlich nur Mitgliedern
vorbehalten. Doch an diesem Tag, zur Feier des zehnjährigen Bestehens
der Freimaurerloge Matteo Alberti, öffnet sich die Tür zum Gewölbekeller
auch für Pressevertreter. „In der Öffentlichkeit kursieren viele
Legenden und Gerüchte über die Freimaurer, damit möchten wir aufräumen“,
sagt Manfred Müller-Berg, der neun Jahre lang erster Vorsitzender war -
der „Meister vom Stuhl“.
Er und sein Nachfolger Karl-Heinz
Schulze führen die Besucher in den Keller des historischen
Bruchsteinhauses am Burggraben. Die Wände sind mit Stuhlreihen gesäumt,
an der Stirnwand steht ein Holzthron: der Platz für den Vorsitzenden. In
der Mitte des Raumes zeigt ein handgefertigter, blauer Teppich, von
drei gläsernen Säulen gerahmt, mehrere Symbole: Maurer- und
Steinmetzwerkzeuge, ein Tempel, Sonne, Mond, ein schwarz-weißer Boden.
„Das Pflaster steht für die hellen und dunklen Seiten des Lebens“,
erläutert Manfred Müller-Berg. Zentral angeordnet sind die
Freimaurer-Symbole Zirkel und Winkelmaß. Schulze: „Der Zirkel
symbolisiert die weltumfassende Liebe. Der Winkel bedeutet Recht,
Gesetz, ein geradliniges Leben.“ Ein Spitzhammer stehe für
Selbsterkenntnis und die Arbeit des Menschen an sich selbst.
Um
solche Symbole und Begriffe geht es auch bei der „Bauhüttenarbeit“, zu
der sich die 23 Mitglieder der Loge regelmäßig treffen. Darüber, was
dort passiert, schweigen die Freimaurer grundsätzlich. Nicht aus
Geheimniskrämerei, wie Schulze betont, sondern „weil das nicht
erzählbar, sondern nur erlebbar ist“. Verraten wird lediglich, dass es
um kontemplative Arbeit mit überlieferten Texten gehe. Auch darin
tauchen immer wieder Symbole auf, die auf die mittelalterlichen
Dombauhütten Bezug nehmen, aber letztlich Persönlichkeitsentwicklung zum
Thema haben.
Müller-Berg: „Zweck der Bauhüttenarbeit sind die
geistige Vervollkommnung und die charakterlich-moralische Souveränität
des Einzelnen mit dem Bestreben nach allgemeiner Menschenliebe, Toleranz
und Brüderlichkeit.“ Diskussionen über Politik oder Religion seien
verpönt. Neben diesen Treffen veranstaltet die Loge monatlich Abende für
Gäste. „Das sind Männer auf der Suche nach etwas, das sie geistig und
seelisch befriedigt. Diese Suche ist oft indifferent“, erzählt Manfred
Müller-Berg und betont, die Loge werbe nicht aktiv um Mitglieder. Die
Interessenten müssen in der Regel mehrmals an Gästeabenden teilgenommen
haben, bevor sie in die Gemeinschaft aufgenommen werden und dann durch
die beständige Arbeit an sich selbst vom Lehrlingsgrad zum Gesellen und
schließlich zum Meister aufsteigen können.
Seit Januar ist Werner
Dürrwanger (62) „Lehrling“. Er ist bei einer Reise auf die Geschichte
der Freimaurer gestoßen. „Irgendwann im Leben kommt man mit seiner
Entwicklung an eine Grenze“, sagt er. Dann sei es gut, Menschen mit
ähnlicher Lebenseinstellung und gleichen Werten zu treffen.
Wir bedanken
uns bei Frau Michaela Paus, ihrem Fotografen und dem Kölner
Stadtanzeiger.
Ende
des Artikels aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 15.04.2009
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Die Geschichte
Erstellt 15.04.09, 15:08h
Gegründet wurde der Verein „Freimaurerloge
Matteo Alberti“, der sich nach dem Barock-Architekten des Bensberger
Schlosses benannt hat, am 31. März 1999 im Goethehaus.
Gegründet wurde der Verein „Freimaurerloge Matteo Alberti“, der
sich nach dem Barock-Architekten des Bensberger Schlosses benannt hat,
am 31. März 1999 im Goethehaus. Im Januar 2000 wurde die Loge durch die
Berliner Großloge formell eingesetzt. Die Initiative zur Gründung ging
von Manfred Müller-Berg und Dr. Eilert Ohrt aus. Heute hat die Loge 23
Mitglieder (ausschließlich Männer) im Alter von 26 bis 73 Jahren.
Bei Zusammenkünften im
Bauhüttenraum tragen die Mitglieder Beamtenband, Bijou (Kreuz mit
Zirkel, Winkel und Bensberger Schloss) und einen weißen Schurz, in
Anlehnung an die Steinmetztradition. Sitz der Loge ist das 1761
errichtete Bruchsteinhaus Burggraben 1 in Bensberg, das
Vereinsmitglieder 2002 erworben haben. „Matteo Alberti“ gehört zur
„Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“. In
Deutschland gibt es rund 470 Freimaurerlogen mit insgesamt 14 000
Mitgliedern. Sie sind organisiert in fünf Großlogen, die sich ihrerseits
zu den „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ zusammengeschlossen
haben.
Die Freimaurerei entwickelte sich um 1700 - Bezug
nehmend auf Ideale der Aufklärung (Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit)
und die Tradition der mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften. Ziel
ist die geistige Vervollkommnung des Einzelnen. 1723 entstand in England
eine Verfassung, „Die Alten Pflichten“ („The Constitutions of the
Free-Masons“), auf die sich die Freimaurer noch heute beziehen.
Freimaurer
kamen und kommen aus unterschiedlichen Berufsgruppen, ethnische
Herkunft und sozialer Status sollen so wenig eine Rolle spielen wie
weltanschauliche, religiöse und politische Überzeugungen. (ela)
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